Das zweite Leben: Second Life-Client unter Linux
Viel hört man in letzter Zeit über eine Software namens Second Life. SecondLife beschreibt sich selbst so:
Second Life ist eine virtuelle Welt – eine dauerhaft bestehende 3D-Umgebung, die vollständig von ihren Bewohnern erschaffen und weiterentwickelt wird. In dieser gewaltigen und schnell wachsenden Onlinewelt können Sie praktisch alles erschaffen oder werden, was Sie sich vorstellen können.
Mehr Informationen dazu direkt bei Second Life.
Das Ganze ist also mehr als ein reines Spiel. Außer seinen Avatar zu gestalten und sich mit anderen zu unterhalten kann man auch Grundstücke kaufen, Häuser bauen und Geschäfte machen. Das besondere daran ist, dass alles in Echtzeit geschieht. Wenn man seinen Avatar steuert sehen einen die anderen, genauso wie man alle anderen „Einwohner“ von Second Live sehen kann. Die Erstellung des ersten Basis-Accounts ist kostenlos. Um Teil der virtuellen Welt zu werden muss man sich nur einen Account erstellen, die Software herunterladen und kann dann loslegen. Ein paar FAQs zu Second Life kann man hier nachlesen. Wenn man noch mehr über Second Life allgemein wissen will, kann auf der offiziellen Seite stöbern, oder aber auch auf diversen deutschen Fan-Seiten wie z. B. SLinfo.de.
Bis jetzt hat mich der Hype um Second Life relativ kalt gelassen, aber ansehen wollte ich mir es auf jedenfall mal um mitreden zu können. Ausschlaggebend warum ich mir jetzt einen Account erstellt habe war aber letztendlich Marks Post über die Open-Source Community in Second Life. Wie, es gibt tatsächlich eine Linux- und OpenSource-Community in Second Life? Jetzt war die Neugierde natürlich zu groß und ich musste es ausprobieren!
Das schöne ist ja, dass es den Client für Second Life für alle Betriebssysteme gibt, ich muss also nicht mal Windows dafür booten. Na, dann nichts wie hin…
Second Life-Client unter Linux
Den Client für Linux kann man sich hier herunterladen. Der Linux-Client läuft noch unter Alpha-Software, die Versionsnummer ist jedoch dieselbe wie die des Windows- oder Mac-Clients. Heisst also, die Funktionen sind bei allen Clients gleich. Theoretisch sollte die Software unter jeder Linux-Distribution laufen. Intern getestet wurde sie wohl unter Debian, Fedora Core 4 und Knoppix. Ich kann schon mal sagen, dass die Software unter Ubuntu Feisty perfekt läuft.
Die Software erfordert keine Installation. Das heruntergeladene *.tar.bz2-File einfach entpacken, in den Ordner wechseln und dann per
./secondlife
starten. Unter Ubuntu kann man auch einfach die Datei „secondlife“ anklicken und dann „Ausführen“ anwählen.
Nach dem Starten der Software meldet man sich nun mit den persönlichen Account-Daten an. Einen Account für Second Life kann man hier erstellen. Um den Client auf deutsch umzustellen wählt man „Preferences/Einstelllung“ aus und stellt dort im ersten Reiter die Sprache ein.
Es gibt auch schon eine Seite im deutschsprachigem Ubuntu-Wiki zu Second Life.
Um Second Life spielen zu können, ist ein DSL-Anschluss von Nöten, am besten mit Tarif ohne Volumenbeschränkung! Die gesamte virtuelle Welt wird jedesmal vom Server geladen, da sich ja dauernd etwas verändert. Wenn man eine Insel betritt kann es unter Umständen etwas dauern, bis sich alles aufbaut.
Drin – das war ja einfach
Nun befindet man sich bereits in der zweiten Welt. Das Aussehen ist Anfangs noch standardisiert und entspricht einer der 6 Typen, die man beim Account erstellen angewählt hat. Das Aussehen lässt sich jedoch nach belieben verändern.
Ein Rechtsklick auf den Avatar bringt ein Menü zum Vorschein. Mit einem Klick auf „Aussehen“ kommt man in das Menü in dem man seinen Avatar gestalten kann. Hier kann man dann von der Größe der Ohren bis zur Größe der Füße so ziemlich alles konfigurieren.
Wenn einem der Standard nicht gefällt, findet man in Second Life eine Masse an Dingen, die man sich kaufen kann. Vieles gibt es dort auch kostenlos, sog. „Freebies“. Von Frisuren über Schuhe, Haut, Gesten, Töne… es gibt alles. Weiter will ich darauf jetzt gar nicht eingehen, das würde den Rahmen sprengen. Da macht ihr euch am besten auf den genannten Webseiten schlau oder probiert es einfach mal aus. Natürlich sehen fast alle im zweiten Leben perfekt aus. 😉 Ich hab mal versucht, meinen Avatar relativ normal zu gestalten. Aber das ist das Privatvergnügen jedes einzelnen.
Die FLOSS-Community in Second Life
In Second Life gibt es fast alles, was es im echten Leben auch gibt. Schönes, Hässliches, Werbung, Witziges, Langweiliges, Fan-Gruppierungen aller möglichen Richtungen – und eben auch eine FLOSS-Community! Auf dem Screenshot sieht man die „Ubuntu-Pyramide“.
Um diese zu finden, sucht man einfach nach „FLOSS“ oder „Free and Open Source Island“. (Als Hinweis: hier kann man auch nette, kostenlose Linux/Ubuntu/Tux-Shirts für den Avatar ergattern.)
Hier kann man sich zum Beispiel auf das famose Ubuntu-Sofa setzen und mit anderen gleichgesinnten quatschen.
Es gibt sogar etwas zu trinken in der Ubuntu-Pyramide! 😉
Gibt es ein Potential in Second Life für FLOSS?
Diese Frage stellt sich jetzt natürlich. Erstmal stellen solche Plätze eine Werbung für FLOSS da. Ja, es gibt uns! Doch was wäre noch denkbar? Nur chatten kann man ja im IRC oder per IM jetzt schon. Doch was wäre das Potential für FLOSS in Second Life? Eben etwas, das mehr ist, als nur chatten.
Treffen, Tutorials und Vorträge zum Beispiel! Warum nicht mal eine virtuelle Ubuntu-Conferenz in Second Life abhalten? Wie weit sich das alles realisieren lässt bleibt abzuwarten. Aber es ist Raum für Ideen vorhanden.
Letzten Samstag, als ich das erstemal in Second Life unterwegs war und natürlich sofort die FLOSS-Insel angepeilt habe, traf ich dort auch gleich ein paar Leute. Und wir haben gedacht, warum nicht ein regelmäßiges Treffen abhalten? Und deshalb wollen wir das Ganze einfach mal ausprobieren, und zwar morgen! Wer also Lust und Zeit hat kann ja mal vorbeischauen:
Erstes Treffen der Linux/FLOSS-Nutzer in Second Life
Datum: Sonntag, 15. Juli 2007
Zeit: 21:00 Uhr UTC (für Deutschland heisst das 23:00 Uhr MESZ)
Wo: Free and Open Source Island, Ubuntu Pyramide
Da es ein internationales Treffen werden soll, ist die Sprache dort natürlich Englisch.
Es ist noch nichts bestimmtes für das Treffen geplant, wir wollen uns unterhalten, was man machen kann. Evtl. spielt sogar eine Band auf der Insel und es gibt ein Tutorial, wie man in Second Life Objekte baut. Ich werde jedenfalls anwesend sein und bin gespannt, ob ich einige von euch treffe. Ich heisse übrigens auch unter Second Life „Suzan“, meinen Avatar könnt ihr ja auf den Screenshots oben sehen.
trink nicht soviel, aber nettes Howto mal wieder 😉
Comment by gnokii
am 14. Juli 2007 um 20:04 Uhr
Hi, ich treibe mich schon viel zu viel in den virtuellen Welten rum. Selbst jetzt sitze ich unter freien Himmel und lese meine RSS Feeds. Ich warne ein wenig vor Second Life es gibt schon genuegend kriminelle Handlungen in Second Life und man wird in Life von Werbung ueberflutet. Trotzdem sehr guter netter Bericht aber ich bin der Meinung IM und IRC sowie Blogs (womit wir schon bei Web 2.0 waeren) sollten zur Kommunikation ausreichen. Fuer mich ist Second Life nix weiter als ein 3D Game. Aber wer Spass dran hat
Comment by JensNDS
am 14. Juli 2007 um 22:33 Uhr
Was mit an SecondLife überhaupt nicht gefällt, ist, dass es ein proprietäres Protokoll hat und alles auf den Servern von LindenLab liegt. Der Client ist glaube ich schon OpenSource, das reicht aber nicht.
Ist es nicht sehr ironisch, dass ein FOSS-Treffen in einer proprietären Online-Welt abgehalten wird?
Und… da das auf Englisch ist, ist es nichts für mich. 😉 Ich versteh zwar alle englischen Artikel auf Computerseiten, kann aber mit meinen inzwischen abgelegten zwei Englischlernjahren seit der siebten Klasse (wir haben mit Französisch angefangen) und meiner 4 😉 bisher fast nur peinliche Sätze bilden.
Comment by Maxi
am 15. Juli 2007 um 11:22 Uhr
hmm, interessant Suzan, dass Du SL mal durchspielst. Habe mich bisher auch immer gefragt, was ich da soll. Zum Chatten brauche ich doch keine virtuelle Insel – da gibt´s für mich bessere Möglichkeiten.
Aber mach mal ruhig weiter, ist interessant – und schließlich hat man mich auch schon zu MySpace getrieben (und ich bin immer noch dabei!)
Comment by Olaf
am 15. Juli 2007 um 13:47 Uhr
Hallo,
ich finde, dass dies wieder ein exzellenter Beitrag ist, ob man 2nd Life nutzen möchte oder nicht. Ich selbst erhalte nach obiger Anleitung unter Ubuntu 6.10 die Fehlermeldung, dass die Fenster nicht aufgebaut werden können. Wahrscheinlich haperts mit dem 3D. Auch GoogleEarth bildet nur ein Wirrwarr von Karten.
Ich habe sagenhaft viel Wissen aus diesem Blog bekommen und möchte Suzan für diese hervorragende Arbeit höchstes Lob aussprechen. Vielleicht kriege ich 2nd Life doch noch ans Laufen.
Gruß
Snake
Comment by Snake
am 16. Juli 2007 um 21:12 Uhr
Hallo Suzan,
ich fände es Schade, wenn Du in Deinem 2.Leben verschwinden würdest … aber das tust Du ja nicht …
versprochen?
Ciao!
Dieter
Comment by Dieter Pfeiffer
am 27. Juli 2007 um 23:43 Uhr
Deine tolle Seite hier hat mir schon mehrfach weitergeholfen: WebCams, Beryl/Compiz unter Feisty etc.. Und jetzt bin ich durch Dich mal auf 2nd Life aufmerksam geworden…
Aber, sag‘ mal, kann es sein, daß der Client sich nicht sonderlich gut mit Beryl/Compiz verträgt??? Ein bißchen Herumexperimentieren sagt mir, daß man wohl besser den Metacity wählt, bevor man 2nd Life startet (obwohl es auch hier gerne mal beim Maximieren/Minimieren oder Resize nur ein schwarzes Fenster gibt , und killen läßt es sich ganz schlecht, will sagen: gar nicht.) Hast Du hierzu auch ein paar Erfahrungen???
Comment by Thomas
am 31. Juli 2007 um 02:05 Uhr
daß beryl und second life sich nicht vertragen kann ich bestätigen. auch ich habe dann nur schwarze fenster
Comment by erzengel
am 3. August 2007 um 19:53 Uhr
Ja, ich deaktiviere Compiz auch, bevor ich Second Life aufmache. Habe mit Compiz leider auch meist schwarze Fenster.
Comment by Suzan
am 11. August 2007 um 18:45 Uhr
Suzan,
Nice article on SL, it would be nice to also have this story available in English.
Just like you did here: http://mylinux.suzansworld.com/?p=205
Comment by Omgev Allen
am 17. August 2007 um 18:07 Uhr
cool
Comment by koray
am 23. September 2007 um 19:52 Uhr
sidux.com),openlifegrid.com)Hallo, habe vor kurzem auch mal SL ausprobiert mit Sidux (www.sidux.com), da ich nun endlich eine 3D Karte habe. SL ist schon eine tolle Sache, wie flüssige Kunst in die man hineinsteigen kann. Perfektes „Spiel“ für mich, ich LÖÖÖBE ESSS! Leider ist meine Hartware schon etwas Altertum, und die GraKa auch nicht gerade der letzte Schrei. Für mich ist es definitiv zu ruckelig.
Aber es gibt ja noch andere Grids! Wie z. B. Openlife Grid (www.openlifegrid.com) oder Central Grid. Da ist zwar nicht so viel los und noch nicht so viel gebaut, aber es hat durch die Ruhe seinen ganz eigenen Charme. Wer den Client schon gezogen hat, braucht nur für den neuen Grid einen neuen Avatar anlegen und den Grid-entsprechenden loginuri zu verwenden. Ich habe auf meinen Desktop nun drei Programmstarter/Verknüpfungen angelegt, Second Life, Open Life und Central Grid. Reizen würde mich auch mal der Chinesische Grid, aber den habe ich noch nicht gefunden.
Bei OpenLifeGrid bekommt man auch Software für einen Standalone, also man kann dann eine 3D Welt auf seinem Rechner laufen lassen, allerdings vorerst nur mit .NET, also MS. Mit Mono soll es aber auch gehen, allerdings ist das überhaupt nicht mein Gebiet. Du kannst dann deinen eigenen loginuri weitergeben, und Leute können dann bei dir in die 3D Welt gehen.
Für die Skeptiker: Das ist schon etwas ganz anderes als ein gewöhnlicher Textchat, hat so ein wenig was von einer „Fernerfahrung“. In der ersten Woche bin ich jeden Tag einfach nur rumgelaufen, bis ich auf dem Berliner Fernsehturm ein kostenloses Fallschirm-Skript gefunden habe, von da an war ich Basejumperin! Man kann zwar fliegen, aber von hohen Gebäuden herunter zu springen war doch schon nett.
Wer wie ich locker und verquatscht ist, kann dort sehr viele sehr interessante Leute treffen, und anders als beim Textchat geht man dann auch mal gemeinsam wo hin wo´s schön ist, und zeigt sich gegenseitig die liebsten Orte.
Klar kann man da auch „arbeiten“ und ernsthafte Dinge tun, wie Vorträge halten, aber das Medium ist noch zu neu und viele scheuen sich das ernsthaft zu nutzen.
Ich habe jetzt auch angefangen zu bauen, in den öffentichen Sandkisten und habe gleich ein nicht gekanntes, architektonisches Talent entdeckt, ich bekomme viele Komplimente für meine außergewöhnlichen Ideen. Da ich mir die Miete für eine Region nicht leisten kann, baue ich wortwörtlich auf Sand, die Sandkisten werden wöchentlich „rasiert“, also gelöscht weil sich da natürlich auch viel Unsinn und Baumüll ansammelt.
Übrigens hat OpenLifeGrid noch eine freie Community Region für Deutschsprachige, da kann man dann mithelfen einen Gemeinde-Treffpunkt zu bauen und Info-Center. Ich wollte schon längst anfangen, aber es gibt noch nicht genug Deutsche dort, wir sind gerade mal zwei. Wer Interesse hat kann sich ja im Forum dort melden.
Tschüß
Comment by Axaes Xandal
am 26. März 2008 um 21:43 Uhr
osgrid.org°
Update:
Ich bin mittlerweile nur noch in OSGrid unterwegs und seit meinem Kommentar ist ja auch schon einige Zeit ins Land gegangen. Mittlerweile hat sich sehr viel getan und es gibt tolle Sachen zu entdecken. Am einfachsten ist der Besuch dieses Grids mit dem Hippo Viewer, verbunden natürlich mit einer vorherigen Registrierung auf http://www.osgrid.org denn der SL-Avatar hat noch keinen Zugang, obwohl dies in Zukunft wohl auch möglich sein wird.
Comment by Axaes Xandal
am 22. Februar 2009 um 23:21 Uhr
hallo
Comment by Jacko
am 23. September 2009 um 16:41 Uhr
Ich bin des öfteren in SL unterwegs, es sind Möglichkeiten vorhanden die es im realen Leben nicht gibt. Die Kommunikation zwischen mir und Mitgliedern einer jüdischen Gemeinde, der Austausch von Gedanken. SL bietet diese Möglichkeit, eine jüdische Gemeinde findet sich nicht an jeder Ecke und die Kommunikation ist so auch leichter als bei einem persönlichen Gespräch. Das Wissen jedoch, das ich ich in persönlichen Gesprächen nutzen. Ebenso ist es möglich an einer Veranstaltung teilzunehmen wo auch Teilnehmer aus Amerika über einen Videochat „anwesend“ sind. Die Möglichkeiten von SL sind noch lange nicht ausgenutzt. Junge Erwachsene die an Veranstaltungen oft aus zeitlichen Gründen nicht teilnehmen können, könnten daran teilnehmen wenn möglicherweise Veranstaltungen „virtuell“ abgehalten werden. Hinter dem virtuellen Avatar oder Einwohner verbirgt sich ein Mensch, das sollte klar sein. Diese Entwicklung sollte überdacht werden, die Ãœbertragung von Gottesdiensten im Fernsehen wurde früher auch abgelehntm hute sind sie fester ein fester Bestandteil des Fernsehprogramms. Wir müssen SL gestalten und dürfen es nicht anderen überlassen, wer dann aber meckert, der meckert zu Unrecht, er hatte ja seine Chance.
Comment by heimet
am 28. März 2012 um 13:33 Uhr